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Das neue Stauwehr von Assiut: Wasser- und Stromlieferant in einem

18.02.2018 - Artikel

1902 wurde das Stauwehr errichtet. Seitdem hat es die Aufgabe, Nilwasser in den rund 350 km langen Ibrahimiyya-Hauptbewässerungskanal zu leiten, der sich fast bis nach Kairo erstreckt und rund 690.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche mit Bewässerungswasser versorgt.

Viele Kleinbauern rund um die Stadt Assiut bewirtschaften Baumwollfelder.
Viele Kleinbauern rund um die Stadt Assiut bewirtschaften Baumwollfelder.© KfW-Bildarchiv / photothek.net

 Nach mehr als 110 Jahren ist die Standfestigkeit des Stauwehrs zunehmend kritisch. Zudem sind heute die meisten mechanischen Teile verschlissen. Bei einem Ausfall des Stauwehrs würde die geregelte Wasserzufuhr in den Ibrahimiyya-Kanal unterbrochen. Die Folgen wären dramatisch: „Rund 1,1 Millionen Bauern und landwirtschaftliche Betriebe, die Wasser aus dem Kanal beziehen, hätten nicht mehr genügend Wasser für ihre Felder. Die Lebensgrundlage von 5 Millionen Ägypterinnen und Ägyptern wäre in Gefahr“, so Ahmed Korrat, Leiter der Abteilung für Großstauwehre im ägyptischen Wasserministerium.

Mit deutscher Hilfe arbeiten seit Mai 2012 ägyptische Ingenieure, Mechaniker und Bauarbeiter daran, ein neues Stauwehr zu errichten – derzeit insgesamt mehr als 1.700 Fachkräfte. Diese Variante hat sich als die günstigere und effizientere gegenüber einer Instandsetzung erwiesen. Außerdem ergibt sich dadurch die Möglichkeit, ein Wasserkraftwerk zu integrieren und so einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung Ägyptens zu leisten. Fünf Jahre lang soll der Bau dauern. Danach ist nicht nur die Wasserversorgung der Felder gesichert. Etwa 250 GWh Strom soll das neue Wasserkraftwerk jährlich generieren. Damit kann der Stromverbrauch von rund 210.000 ägyptischen Familien gedeckt werden. Gleichzeitig entstehen neue Arbeitsplätze für die Region, und das auch außerhalb der Landwirtschaft. Rund 300 Arbeitskräfte werden notwendig sein, um Stauwehr und Wasserkraftwerk zu betreiben und zu warten.

Deutschland stellt mit knapp zwei Dritteln den Löwenanteil zur Finanzierung des Projekts bereit. Dazu gehören neben dem Stauwehr das Wasserkraftwerk, eine moderne Schiffsschleuse und die Straßenüberfahrt, aber auch die Turbinen, die in Deutschland gefertigt werden. Sobald der Bau abgeschlossen ist, werden aus deutschen Mitteln ägyptische Fachkräfte im nachhaltigen Betrieb und in der Wartung der neuen Anlagen geschult. Ergänzend stellt Ägypten aus eigenen Mitteln sicher, dass das Straßennetz an die neue Nilquerung angeschlossen wird.

Bereits seit 1902 leitet das Stauwehr von Assiut Nilwasser in den Ibrahimiyya-Kanal.
Bereits seit 1902 leitet das Stauwehr von Assiut Nilwasser in den Ibrahimiyya-Kanal.© Assiut Barrage Development Consultants

Eine solche Großbaustelle kann natürlich auch negative Folgen für die Umwelt und die Menschen im unmittelbaren Umfeld haben. So rechneten Experten bereits vor Projektbeginn damit, dass der Fischfang in Baustellennähe während der Bauzeit zurückgehen könnte. Entsprechend unterstützt Deutschland die ägyptische Regierung seit Projektbeginn mit einem umfassenden Umweltmaßnahmenpaket nach internationalen Umwelt- und Sozialstandards. Dazu gehört beispielsweise die Beratung des ägyptischen Wasserministeriums bei der angemessenen Entschädigung von Fischern. Auch werden wesentliche Umweltparameter, wie etwa der Grundwasserspiegel, die Staub- und die Geräuschemission, aber auch die Wasserqualität fortlaufend und systematisch untersucht. Dies ermöglicht es dann, bei eventuellem Eintreten kritischer Umweltveränderungen rechtzeitig und angemessen gegenzusteuern.

Bis heute ist der Bau schon um ein gutes Stück vorangeschritten. Der Ringdamm ist fertig und die Baugrube für das Stauwehr, das Kraftwerk und die Schleuse trocken gelegt. Es sieht gut aus, dass die Arbeiten bis zum Herbst 2017 fertiggestellt sein werden und die Bauern rund um Assiut dann endlich nicht mehr um Wasser für ihre Felder bangen müssen.

Textquelle: Deutsche Botschaft Kairo und GIZ

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