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Jugendförderung in informellen Gebieten

18.02.2018 - Artikel

Nasr, ein 22-jähriger Mann aus Ain Shams studiert Internationalen Handel an der Universität Kairo. Auf den ersten Blick sind das gute Voraussetzungen, um später erfolgreich zu sein. Doch Nasr lebt in den ungeplanten Gebieten des Großraums Kairo, wie 60 Prozent aller Kairoer auch.

Nasr fühlt sich oftmals ausgegrenzt, schätzt seine Jobchancen gering ein. Sein Viertel hat keine funktionierende Infrastruktur, und das Vertrauen in die öffentliche Verwaltung hat er schon lange verloren. Deutschland hilft Ägypten dabei, Jugendliche aus den ungeplanten Wohngebieten des Großraums Kairo stärker an der Gestaltung ihres Viertels zu beteiligen.

Zusammen mit anderen Jugendlichen ist Nasr in einem Jugendzentrum in seinem Bezirk Ain Shams aktiv.]
Zusammen mit anderen Jugendlichen ist Nasr in einem Jugendzentrum in seinem Bezirk Ain Shams aktiv.]© PDP, Fotograf Mosaab El Shamy

 In vier dieser Viertel in Kairo und Giza werden derzeit Jugendnetzwerke aufgebaut. Wer Interesse hat, kann sich zum so genannten „community leader“, also zu einer Art Sprecher der jugendlichen Gemeinschaft ausbilden lassen. Diese jungen Menschen erarbeiten gemeinsam mit ihren Bezirksvorsitzenden und lokalen Initiativen Lösungen für die Probleme in ihrem Viertel.

Als Nasr zum ersten Mal von der Initiative hört, ist er skeptisch. Wie soll schon eine ausländische Initiative ihre Probleme lösen? „Doch als ich mit den Projektmitarbeitern sprach, merkte ich, dass es ihnen wirklich um uns ging. Ich beschloss mitzumachen“ erzählt Nasr. In den darauffolgenden Monaten lernt er viel über Bürgerrechte, Mehrheitsfindung, Präsentations- und Verhandlungstechniken und vieles mehr. Mit diesen Fähigkeiten an der Hand, entwickelt er gemeinsam mit anderen Jugendlichen eine Kampagne, die das Bewusstsein der Bewohner in seinem Viertel für Müllentsorgung schärfen soll. Immer mehr Interessierte beteiligen sich an ihrem Gemeindeprojekt. Nasr verhandelt mit Regierungsvertretern und macht sich für die konkreten Probleme im Viertel stark. Kurzum: Er übernimmt Verantwortung.

Vier Jugendnetzwerke werden heute von Deutschland unterstützt. Indem sie mitentscheiden dürfen, was in ihren Bezirken passiert, findet wieder ein Dialog mit jungen Menschen in den besonders armen Gebieten Kairos statt. Und sie sehen, dass es sich lohnt, sich für das eigene Viertel stark zu machen.

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