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Ägypten

16.04.2018 - Artikel

Stand: März 2018

Ländername: Arabische Republik Ägypten; Gumhuriyyat Misr al-Arabiyya

Klima: mediterran (Mittelmeerküste, Nildelta) bis wüstenhaft (Kairo, Mittel- und Oberägypten)

Lage: im Nordosten des afrikanischen Kontinents; zwischen 22. Grad und 32. Grad nördlicher Breite und 26. Grad und 33. Grad östlicher Länge

Größe des Landes: 1.001.450 Quadratkilometer, davon circa 4 Prozent landwirtschaftlich nutzbar

Hauptstadt: Kairo (al-Qahira); mit Einzugsgebiet ca. 22 Millionen Einwohner

Bevölkerung: 94,8 Millionen; das Niltal und -delta zählen zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt (1.120 Einwohner/qkm; Kairo: 28.500 -120.000 Einwohner/qkm)

Landessprache: Schriftsprache: modernes Hocharabisch, Umgangssprache: ägyptisch-arabischer Dialekt; als Geschäfts- und Bildungssprachen sind Englisch und in geringerem Ausmaß Französisch verbreitet

Religionen: rund 90 Prozent Muslime (davon 99 Prozent Sunniten, 1 Prozent Schiiten); 10 Prozent Christen (davon 91 Prozent koptisch-orthodox, 4,5 Prozent koptisch-katholisch - Zahlenangaben betreffend Kopten differieren erheblich), 2 Prozent sonstige Religionsgemeinschaften.

Nationalfeiertag: 23. Juli (1952), Revolutionstag

Unabhängigkeit: 28. Februar 1922

Aufnahme diplomatischer Beziehungen:

  • 16.10.1952 (Bundesrepublik Deutschland)
  • 10.07.1969 (Deutsche Demokratische Republik)

Regierungsform: Republik, Präsidialdemokratie

Staatsoberhaupt: Präsident Abdel Fattah Al-Sisi

Vertreter des Staatsoberhaupts: Die im Januar 2014 in Kraft getretene Verfassung sieht keinen Vizepräsidenten vor. Im Falle der Vakanz übernimmt der Präsident des Verfassungsgerichts das Amt kommissarisch.

Premierminister: Sherif Ismail, am 19.09.2015 mit seinem Kabinett vereidigt.

Außenminister: Sameh Shoukry

Parlament: Im November und Dezember 2015 fanden die Wahlen zum Parlament statt. Die Verfassung von 2014 sieht ein Parlament mit nur einer Kammer (Abgeordnetenhaus oder Maglis El-Nuab) vor. Das bisherige Oberhaus (Schurarat) wurde dagegen abgeschafft.

Politische Bewegungen und Parteien: In Folge der Revolution 2011 wurden zahlreiche neue Parteien gegründet, von denen viele inzwischen wieder von der politischen Bildfläche verschwunden sind. Bei den Wahlen zum Parlament 2015 sah das ägyptische Wahlrecht für die politischen Parteien hohe administrative Hürden vor, sodass die Mehrheit der 596 Abgeordneten als unabhängige Einzelkandidaten gewählt wurde. Als stärkste politische Partei sind die „Freien Ägypter“ mit 65 Abgeordneten im Parlament vertreten, vor der „Zukunft der Nation“ und der traditionellen Wafd-Partei. Die salafistische Nour-Partei hat als einzige islamistische Partei im Parlament 11 Abgeordnete. Die Sozialdemokratische Partei ist mit vier Abgeordneten vertreten.

Die größte überparteiliche, informelle Koalition ist die staatsnahe „Unterstütze Ägypten“-Koalition mit 588 Abgeordneten. Die oppositionelle Koalition„25-30“ hat 16 Mitglieder.

Gewerkschaften: In Ägypten besteht eine in der Amtszeit von Präsident Nasser 1957 gegründete, staatlich gelenkte und beaufsichtigte Gewerkschaftsföderation ETUF (Egyptian Trade Union Federation). Der Arbeitsminister überwacht ETUF organisatorisch, personell und finanziell. Nach eigenen Angaben zählt ETUF 4,7 Mio. Mitglieder. Die Regierung sieht in ihr die einzig legitime Vertretung der Arbeitnehmer. Der Deutsche (DGB) und der europäische Gewerkschaftsbund (EGB) arbeiten nicht mit ETUF zusammen.

Nach der Revolution 2011 entstanden zahlreiche unabhängige und freie Gewerkschaften, von denen viele noch immer bestehen. Sie dürfen aber als solche nicht firmieren, sondern müssen sich als Vereine organisieren, um Beiträge oder Spenden entgegen nehmen zu können. Diese Behinderungen, weitreichende Repression, aber auch Zersplitterung und mangelhafte organisatorische und personelle Strukturen verhindern den Aufbau einer unabhängigen Gewerkschaft nach deutschem Verständnis. Aktiv sind heute – neben kleineren örtlichen und betrieblichen Initiativen - vor allem die (Gewerkschafts-)vereine EFITU (Egyptian Federation of Independent Trade Unions) mit ca. 800.000 Mitgliedern und EDLC (Egyptian Democratic Labour Council). Daneben findet das Center for Trade Unions and Workers Services (CTUWS) als unabhängige NGO und Beratungsorganisation für Arbeitnehmervertreter Beachtung. Obwohl Ägypten nahezu sämtliche Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unterzeichnet hat, finden viele davon praktisch kaum Anwendung.

Im Dezember letzten Jahres wurde  ein neues Gewerkschaftsgesetz verabschiedet. Dadurch wird die Bildung neuer freier Gewerkschaften unmöglich gemacht und die staatliche Kontrolle der bestehenden stark erhöht.

Zwei Millionen Kinder arbeiten nach Angaben der ägyptischen Regierung täglich mehrere Stunden / mehrere Tage in der Woche in Bergwerken, in der Bauindustrie, im Straßenbau, der Chemieindustrie und in der Landwirtschaft.

Organisationen der Wirtschaft: Kraft Gesetz und unter staatlicher Teilkontrolle sind alleinige offizielle Vertretung der Wirtschaft die folgenden Institutionen und ihre jeweiligen fachlichen und örtlichen Gliederungen:

  • Federation of Egyptian Industries (FEI), Präsident: Mohamed El-Sewedy
  • Federation of Egyptian Chambers of Commerce (FEDCOC), Präsident: Ahmed Wakil
  • Landwirtschaftskammer
  • Berufsständische Vertretungen (Ärzte, Journalisten, Anwälte usw.)

Darüber hinaus existiert in Kairo die

  • Deutsch-Arabische Industrie-und Handelskammer (DAIHK)
  • Diverse weitere bilaterale Kammern und Wirtschaftsverbände nehmen die Interessen der Wirtschaft wahr.

Ägypten gehört folgenden internationalen und regionalen Wirtschaftsorganisationen an: Arabische Liga, Organisation arabischer Erdöl exportierende Länder (OAPEC), WTO (Welthandelsorganisation), Weltbank, IWF. Ägypten unterhält Assoziations- bzw. Freihandelsabkommen mit der EU und der Türkei, ist Teil von COMESA (Gemeinsamer Markt für das östliche und südliche Afrika) und der GAFTA (Großarabische Freihandelszone) und nimmt am Agadir-Freihandelsabkommen mit Marokko, Tunesien und Jordanien teil.

Mitgliedschaft in internationalen Organisationen: Vereinte Nationen (VN) sowie alle ihre Sonderorganisationen, UNRWA, Arabische Liga und deren Sonderorganisationen, Organisation für Islamische Zusammenarbeit, Bewegung der Blockfreien sowie Afrikanische Union.

Wichtigste Medien:

Fernsehen: Staatsfernsehen (unter Kontrolle der National Media Authority): Mehrere Satellitensender (Nile News, Nile TV, Nile Drama u.a.) sowie zehn terrestrische Sender mit zum Teil lokalem Fokus. Zahlreiche Privatsender, darunter Dream TV, Al-Mehwar, Al-Hayat, ONTV, CBC, Al–Tahrir, Al-Nahar und Sada Al-Balad, MBC Misr, DMC.

Rundfunk: Radio Kairo (staatlich): Radio Misr (erreicht die meisten größeren Städte im Land und sendet vor allem Nachrichten), Überseeprogramme in über 30 Sprachen (darunter Deutsch); private Musiksender (Nogoom, Nile FM etc.)

Staatlich finanzierte Zeitungen: Al-Ahram, Al-Akhbar, Samstagsausgabe Al-Akhbar Al-Youm; Al-Gomhouria, Abendausgabe Al-Missa; Egyptian Gazette, Al Ahram English, Al Ahram Weekly (englisch), Al-Ahram Hebdo, Le Progrès Egyptien (beide französisch)

Privat- und Parteizeitungen: Al-Masry Al-Youm; Al-Shorouk; Al-Watan, Al-Tahrir, Youm 7; Sout Al-Omma, Al-Dostour, Al-Alam al-Youm (Wirtschaftszeitung), Al-Wafd, (Neo-Wafd-Partei); Al-Arabi (nasseristisch); Karama (linksnationale Partei), Al-Ahali (linkssozialistisch); Al-Ahrar (Liberale Partei); Watani (koptisch, wöchentlich); Al Mesreyoon; Al Maqal (wöchentlich); Daily News Egypt (englisch); Egypt Today (englisch)

Nachrichtenagentur: Middle East News Agency (MENA), staatlich, ONA (private Nachrichtenagentur, die zu ONTV gehört).

Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen (2017) in Euro: 159 Mrd. EUR

Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukt (2017): ca. 4,5%

Einkommensklassifikation: Lower Middle Income Country

Prokopf-BIP (2017, zu Marktpreisen) in Euro: ca. 1.661 EUR

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Ägypten ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
Schwerpunkte sind der Umwelt- und Klimaschutz – mit einem Fokus auf der Förderung erneuerbarer Energien – sowie die Wasserver- und Abwasserentsorgung. Darüber hinaus fördert die Bundesregierung die Privatwirtschaft sowie das Berufsbildungswesen.
Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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